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Treibhausgas (THG)-Bewertung in der Milchproduktion – eine Einordnung

Dr. Monika Zehetmeier, Bereich Umweltökonomik und Agrarstruktur, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, München

Die Quantifizierung von betriebsspezifischen Treibhausgas(THG)-Emissionen und das Aufdecken von Vermeidungspotentialen erfordert eine Methode, die landwirtschaftliche Produktionsverfahren und Praxisbetriebe in ihrer Vielfalt und Detailtiefe abbilden kann. Zudem ist eine Verknüpfung mit der Ökonomie sinnvoll, um die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen bewerten zu können. Die LfL entwickelt zwei Tools für Praxis und Forschung, die diesen Anforderungen gerecht werden sollen. Damit vorgenommene Auswertungen von Praxisbetrieben zeigen, dass viele Maßnahmen zur Verringerung der THG-Emissionen in der Milchproduktion nicht viel Kosten müssen, sondern sogar Kosten einsparen können: nährstoff-effiziente Futterproduktion, geringe Verluste in der Futtermenge und -qualität von der Wiese bis ins Maul, eine hohe Lebensleistung der Milchkühe.
Die meisten Modelle zur Berechnung der THG-Emissionen aus der Milchviehhaltung wählen als Systemgrenze den Milchviehbetrieb. Die THG-Emissionen werden pro kg Milch ausgewiesen. Dieser Ansatz wird jedoch Milchviehbetrieben mit beispielsweise Zweinutzungsrassen nicht gerecht. Milch- und Rindfleischprodukte sind eng verbunden, sogenannte Koppelprodukte. Die ausschließliche Fokussierung auf die Milch vernachlässigt die Synergien mit der Rindfleischproduktion außerhalb der Systemgrenze des Milchviehbetriebes. Berechnungsmethoden zur Bewertung der THG-Emissionen müssen daher die Rindfleischproduktion und die Masteigenschaften der nicht am Betrieb verbleibenden Kälber mitberücksichtigen. 
Eine THG-Bilanz beschreibt nur eine Wirkungsrichtung einer vollständigen Ökobilanz. Um die Zukunftsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebssysteme zu diskutieren, bedarf es eines gesamtbetrieblichen Ansatzes unter Einbeziehung weiterer Indikatoren aus dem Bereich Umwelt, Ökonomie und Soziales. Insbesondere das Aufzeigen und Visualisieren von Synergien und Zielkonflikten dient dabei als Entscheidungshilfe und Diskussionsgrundlage für die landwirtschaftliche Praxis und Gesellschaft.