Ammoniakemissionen im Stall senken

Beitrag von Professor Dr. Wolfgang Büscher, Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Foto: Büscher

Ammoniak ist Bestandteil der Ausscheidungen von Nutztieren. Das Molekühl steht deshalb stark im Fokus, weil Ammoniak und das nach der Umwandlung entstehende Ammonium Ökosysteme durch Versauerung und Eutrophierung schädigen können. Indirekt ist Ammoniak auch ein klimarelevantes Gas, weil ein Teil davon im Boden in das Treibhausgas Lachgas umgewandelt wird.

Die Minderung der Ammoniakemissionen ist nicht nur eine politische Notwendigkeit, sondern oft auch bei Genehmigungsverfahren ein großes Thema. Die Landwirte haben etliche Möglichkeiten stallinterner Maßnahmen der Emissionsminderung, beginnend mit der Fütterung über die Gestaltung der Böden bis zur Ansäuerung der Gülle. Nicht jede Maßnahme eignet sich für Rind und Schwein aber gleichermaßen.

Strategie 1: Input-Minimierung

Insbesondere bei Schweinen lässt sich durch eine bedarfsorientierte Versorgung der Tiere über eine eiweißangepasste Fütterung, Multiphasen-Fütterung oder Aminosäuren-Supplementierung schon einiges tun.

Strategie 2: Futterverluste im Stall minimieren

Ansatzpunkte sind hier eine restriktive Fütterung sowie eine entsprechende Gestaltung von Fressplatz bzw. Trog. Dies kann bei Schweinen eine Matte unter dem Trog sein, um rausgekratzes Futter nicht in den Bereich unter dem Spaltenboden gelangen zu lassen. Bei Rindern ist das Nackenrohr kritisch. Weil die Tiere gerne den Kopf beim Fressen anheben, müssen sie ein, zwei Schritte rückwärtsgehen, wobei immer etwas Futter aus dem Maul fällt. Rinder nehmen verschmutztes Futter vom Boden aber nicht mehr auf.

Strategie 3: Schnelles Ableiten von Harn

Eine interessante Lösung für die Rinderhaltung sind strukturierte Böden, die Kot und Harn auf der Oberfläche besser trennen. Wenn Harn schnell abläuft, entsteht weniger Ammoniak an der Oberfläche, was das ganze System entlastet. Erforderlich dafür sind Spaltenroboter, die die emissionsaktiven Oberflächen möglichst schnell von Verschmutzungen befreien.

Strategie 4: Ammoniakbildung auf der Lauf-/Liegefläche vermeiden bzw. hemmen

Hier besteht die Maßnahme in einem häufigen Nachstreuen mit Stroh im Ruhebereich der Rinder. Ein sehr wirksames, allerdings noch nicht praxisreifes Verfahren für Rinder- und Schweineställe ist das Versprühen von Urease-Inhibitoren. Die Enzympräparate verhindern, dass aus Harnstoff Ammoniak gebildet wird. Die Genehmigungsbehörden sperren sich unter anderem aufgrund ökosystemrechtlicher Fragen jedoch noch gegen diese Maßnahme.

Strategie 5: Ammoniak-Gasaustausch mit dem Flüssigmistkanal minimieren

Die technische Lösung insbesondere für Rinderställe besteht hier in „Verschlüssen“ im Spaltenboden und einem reduzierten Schlitzanteil der Böden.

Strategie 6: Ammoniak in der Gülle binden

Ein sehr effektives Verfahren ist der Zusatz von Schwefelsäure zur Gülle. Damit lässt sich deren pH-Wert so weit senken, dass ein Großteil des Ammoniaks im Flüssigmist gebunden wird und Ammoniak erst gar nicht in den Tierbereich gelangt. Eine andere, weniger praktikable Maßnahme ist das Verdünnen der Gülle mit Wasser. Denn das hat aufgrund erhöhter Wassermengen hohe Transport- und Ausbringkosten zur Folge.

Strategie 7: Kot und Harn schnell aus dem Stall entfernen

Eine Lösung für den Neubau von Schweineställen sind schmale, V-förmige Kanäle auf den Böden, über die – mit Dünngülle oder Wasser gespült – die Exkremente möglichst schnell aus dem Stall rausgewaschen werden sollen. Für Rinder ist die Schieberentmistung auf planbefestigten Böden eine Lösung.

Strategie 8: Ammoniak über Abluftbehandlung binden

Hier sind mit Bio- und chemischen Wässern zwei „Klassiker“ zu nennen.

Grundsatz beachten

Bei emissionsmindernden Maßnahmen in einer Prozesskette gilt stets der Grundsatz: Je früher man eine „konservierende Maßnahme“ in der Prozesskette platziert, umso wichtiger ist die emissionsarme Gestaltung der Folgeschritte, um die „Einsparung“ nicht zu vergeuden! So würde es beispielsweise keinen Sinn machen, eine Säurebehandlung des Flüssigmists im Stall durchzuführen und anschließend einen nicht abgedeckten Behälter einzusetzen. Je früher man das Ammoniak fixiert oder bindet, umso wichtiger ist es, die Folgeschritte ebenfalls emissionsarm zu gestalten.

Zur Person

Professor Dr. Wolfgang Büscher ist Leiter des Lehrstuhls für Tierhaltungstechnik am Institut für Landtechnik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.